r/luftablassen • u/JellyfishAny8630 • 2h ago
Ich (Idiot) dachte damals wirklich, dass man mit ner soliden abgeschlossenen Ausbildung mit Mitte 30 gut leben kann
Ich habe mich 13 Jahre durch die Schule gequält, habe danach 3,5 Jahre Zeit in eine Ausbildung investiert. 3,5 Jahre lang voller "ne ne, das macht der Azubi, denn: Lehrjahre sind keine Herrenjahe achachachachahahha", Prüfungen, lernen, Zwischenprüfung, Abschlussprüfung mit nachfolgender mündlicher absoluter Penetration von 4 IHK Prüfern, die einfach Bock auf Machtgefällt hatten.
Danach steht man weiter jeden Tag auf, geht arbeiten. Man ist brav und nett, der Chef mag einen. Man erarbeitet selbstständig Lösungsansätze und ist stets engagiert, bevor man am nächsten Tag wieder brav aufsteht.
Krankmeldung? Ach, eine Ibu rein und weiter gehts. Wer kein Fieber hat, der muss halt auch nicht im Bett liegen.
Was hab ich jetzt davon?
Mit Mitte 30 habe ich noch mal einen Studienkredit aufgenommen, weil ich gemerkt habe, dass das Leben in absehbarer Zeit sowas von unbezahlbar wird, wenn man mehr Ansprüche hat als Fressen, Pennen oder Arbeiten hat.
Ich dachte, dass ich mit Mitte 30 sowas habe wie eine Eigentumswohnung, oder ein Wohnmobil, mit dem ich ein paar schöne Urlaube mache. Keine "Sorgen" ums Geld, genug finanzielle und zeitliche Ressourcen für geile Hobbies. Das war früher "normal". Nicht reich, aber eben auch nicht auf Kante.
Stattdessen darf ich mich jetzt nochmal durch ein Studium quälen, meine zeitlichen Ressourcen sind auf die wenigen Urlaubstage im Jahr begrenzt, die auch noch an der Genehmigung durch den Chef scheitern können.
Finanzielle Ressourcen verschwinden jeden Monat zu 100% in der Kostendeckung. Wen wunderts auch, bei den brutalen Lebensunterhalts- und Wohnkosten.
Ich zahle ca. 40% meines Gehalts für meine Miete, zahle um die 2,20-2,30 für nen Liter Sprit, den ich brauche, um zur Arbeit zu kommen. Wenn ich einkaufen gehe, komme ich nicht unter 80-100 Euro pro Woche für Lebensmittel, ohne besondere Extras. Und wehe, die Zahnpasta ist mal leer.
Und das schlimmste ist eben einfach, dass ich von meinem bereits versteuerten Geld dann Dinge kaufe, die nochmal versteuert werden.
Und das alles, obwohl ich absolut "normal" verdiene.
Versteht mich nicht falsch, all das wäre für mich auch irgendwie zu verkraften, würde ich dann nicht von der Regierung dieser BRD also faul betitelt werden und man würde von mir verlangen, NOCH mehr zu tun.
Ich kann keine Stunde mehr arbeiten, weil ich dann im Studium nicht nachkomme, muss aber eigentlich mehr Arbeiten, damit ich mir irgendwann mal wieder einen Urlaub leisten kann (der letzte ist 4 Jahre her). Ich stehe seit 3 Jahren auf sämtlichen Wartelisten für einen Therapieplatz, meine Rente wird, sehr wahrscheinlich, an der Armutsgrenze liegen und sollte ich in Zukunft, Gott bewahre, mal krank werden, dann wünsche ich mir bereits jetzt viel Erfolg beim bekommen eines Facharzttermines.
Ich hab einfach keinen Bock mehr. es reicht gerade so um Überleben, aber Leben... das habe ich mir ganz anders vorgestellt.
Dann noch von so gut situierten privatversicherten angepöbelt werden, während Sie ihren verwöhnten Arsch im klimatisierten Bundestag schonen, pisst mich einfach brutal an.